
Bericht
25. August 2006 – 1. Tag Þórsmörk (Langidalur)
Unser Tag beginnt heute schon um kurz nach 7:00 Uhr, da wir eine lange Strecke vor uns haben und insbesondere einen Fluß durchwaten müssen, der im Laufe des Tages höher steigt. Es hat heute morgen auch aufgehört zu regnen, so daß wir unsere Tour hoffentlich trocken zu Ende bringen können. Um kurz nach 9:00 Uhr geht es schließlich los.
Zunächst beginnt unser Weg mit ein paar kleinen Steigungen und dem Überqueren kleiner Bäche, doch hinter einem Schotterberg, den wir mehr oder weniger hinunter schlittern, führt unser Weg zur Schlucht Markarfljótsgljúfur Richtung der Fußgängerbrücke über die Fremri-Emstruá. Der letzte Rest des Weges zur Brücke ist so steil, daß zur Sicherung des Abstiegs Seile an der Seite befestigt wurden. Darüber sind wir ziemlich froh, denn die Absätze in den Felsen sind manchmal so groß, daß wir uns erst hinsetzen müssen, um uns dann lang machen zu können und so erst den nächsten Absatz erreichen. Der Blick in die steile und tiefe Schlucht ist dabei nicht gerade aufbauend. Nachdem wir an der Brücke angekommen sind, macht Gernot schnell ein paar Fotos. Mir ist noch zu mulmig, so daß ich froh bin, einen Moment verweilen zu können, insbesondere da uns der Weg hinter der Brücke auch einen steilen Hang hinaufführt, der ebenfalls mit Ketten zur Sicherung versehen ist. Ich halte mich daran auch nur zu gerne fest und vermeide stetig den Blick hinunter in die Schlucht. Endlich oben angekommen, wagen wir noch einmal einen Blick zurück und in den Cañon.
Nun führt unser Weg im stetigen Auf und Ab über die Ebene Sandar und durch die Talkerben Slyppugil und Bjórgil. Immer mal wieder sind kleine Flüsse zu durchqueren und steilere Mulden hinab und wieder hinauf zu klettern. Aber insgesamt sind wir guter Dinge: über uns lacht die Sonne und die Ausläufer des Gletschers Eyjafjallajökull, an dessen Fuße unser Ziel liegt, sind schon zu sehen. Doch der Weg zieht sich über lange Hänge und so vergehen fast fünfeinhalb Stunden bis wir die Þröngá erreichen, einen breiten Gletscherfluß, der doch recht tief ist. Dies erfordert nochmal ein wenig Konzentration beim Durchwaten.
Auf der anderen Seite angekommen, machen wir eine kleine Pause, bevor wir uns auf die letzten Kilometer begeben. Die Vegetation auf dieser Uferseite ist geradezu üppig und wir fühlen uns wegen der einheimischen Pflanzenwelt fast wie zu Hause. Als wir endlich die Weggablung zwischen Húsadalur und Langidalur erreichen, sind wir fast entnervt, als wir feststellen, daß unser Weg wieder bergauf führt, denn wir sind mittlerweile nahezu erschöpft.
Nach fast 7 Stunden erreichen wir schließlich Langidalur und fallen vollkommen erschöpft auf die Stufen der Hüttenterrasse. Nach einer kleinen Pause begibt sich Gernot auf die Suche nach dem Hüttenwart, doch leider ist der gerade nicht aufzufinden. Also suchen wir uns einen Zeltplatz für die nächsten Tage und entscheiden uns für einen ruhigen grünen Platz in einem Hain. Hier genießen wir die letzten Sonnenstrahlen und bauen unser Zelt auf. Und dann begibt sich Gernot noch einmal auf die Suche nach dem Hüttenwart und kommt schließlich mit unserem Freßpaket zurück, daß wir in Reykjavik aufgegeben hatten. Jetzt haben wir reichlich Nahrung, dennoch spähen wir noch einmal im Kiosk vorbei. Außer einer Flasche Cola, auf die wir ziemlich Heißdurst haben und die uns ein wenig Zivilisation zurückbringt, können wir aber nichts entdecken, daß unser Vorräte noch bereichern würde.
Anschließend genießen wir unser Abendessen und freuen uns auf einen ruhigen Abend mit unserem Roman, in dem wir heute ein paar Kapitel mehr lesen können, während wir einen romantischen Sonnenuntergang erleben.
Fortsezung folgt...
